Europameisterschaft fest im Visier

Wittlicher Karateka Gazmend Ahmeti bereitet sich in Wittlich auf höhere Aufgaben vor.

Gazmend Ahmeti vom Karate Club Wittlich peilt über den Gewinn der Deutschen Meisterschaft die Teilnahme an den Europameisterschaften an.

Erzieherische, moralische und ethische Werte verleihen dem Karate-Sport seine Besonderheit. Die Vermittlung von Aufrichtigkeit, Höflichkeit, Respekt, Mut, Güte und Selbstkontrolle sind eine ebenso wichtige Aufgabe wie die körperliche Ertüchtigung, der Abbau von Angst, Aggressionen und Alltagsstress. Auch ohne seinen "Gi", die weiße Karate-Bekleidung, könnte man beim Gesprächspartner Gazmend Ahmeti sehr schnell darauf tippen, dass er ein Karateka, ein Freund der japanischen Kampfkunst der "leeren Hand" ist.

Die sportlichen Erfolge des Kosovo-Albaners Gazmend Ahmeti sind bemerkenswert. 1997 belegte er im Einzel und mit der Mannschaft den ersten und zweiten Platz beim Eifelpokal. Nachdem er 1998 die Rheinland-Meisterschaft in der All-Kategorie (offene Gewichtsklasse) gewonnen hatte, siegte er jetzt wieder (in Zweibrücken). In seiner Gewichtsklasse belegte er den zweiten Platz. Sportlich noch wertvoller war sein anschließender Sieg beim internationalen Shotokan-Cup in Mendig, den er in seiner Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm im Kumite, dem Karate-Zweikampf, erreichte. Über 500 Kämpfer aus sieben europäischen Ländern, darunter alle deutschen Ländermannschaften, waren in Mendig am Start.

Gazmend Ahmeti hat vor sechs Jahren seine Heimat, den Kosovo, verlassen. Er arbeitet seitdem bei einer Baufirma als Pflasterer in der Region Wittlich. Der "gelernte" Karateka fand schnell den Weg zum Wittlicher Karate Club (KCW). "Ich wollte aus meinem Leben etwas machen", sagt er. Sehr schnell hat er Deutsch gelernt mit Unterstützung seiner Arbeits- und Vereinskollegen.


Gazmend Ahmeti (rechts)
bringt Michael Teusch Karate-Kniffe bei.
Foto: Klaus Schmitz

Mit zwölf Jahren hat er in seiner Heimat mit Karate begonnen und war zuletzt Vizejunioren - Landesmeister im Kosovo. "Karate hat dort einen sehr hohen Stellenwert im Sport", schwärmt er. "Heute ist Geni, wie ihn alle im Verein nennen, voll in den KCW integriert", so Pressewart Michael Reis. Regelmäßig mittwochs gibt er seine Kenntnisse an die Jugendlichen weiter. Er strebt so schnell wie möglich die Trainerausbildung an. Vorerst aber steht für den Kosovo-Albaner der persönliche Erfolg noch im Mittelpunkt. Nachdem er sich bei den Landesmeisterschaften in der Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm und in der All-Kategorie qualifiziert hat, will er bei den Deutschen Meisterschaften Mitte April in Berlin ganz oben auf dem Siegerpodest stehen. Denn sein Fernziel ist die Europameisterschaft, die 2003 in Bremen stattfindet und für die er sich nur mit dem Titel des Deutschen Meisters qualifizieren kann.

Gazmends Erfolge haben sich rund gesprochen. Landestrainer Walter Hehl hat ihn für den Landeskader nominiert. Der Karate-Club Wirges will ihn in seinem Team für die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften einsetzen.

Ahmeti hat weiterhin engen Kontakt zu seiner Heimat, wo seine Eltern und Geschwister leben. "Regelmäßig telefoniere ich dort auch mit Rexhep Bajrami, meinem früheren Vereinstrainer", sagt er. Auf seine großen Ziele will er sich vier Wochen in seiner alten Heimat bei Freund Rexhep vorbereiten und opfert dafür seinen gesamten Jahresurlaub. "Politische Probleme gibt es überhaupt nicht", freut er sich über das mittlerweile entkrampfte Verhältnis des Kosovo, vor allem zu seiner neuen Heimat Deutschland.

Der Artikel wurde am 20.11.2002 im Trierischen Volksfreund unter der Rubrik Lokalsportzeit veröffentlicht.